Graz als Sprachenstandort

Laut der Broschüre “Bevölkerung der Stadt Graz – Stand 1.1.2009” des Präsidialamts der Stadt Graz leben in Graz 159 verschiedene Nationalitäten. Nach konservativen Schätzungen bedeutet das, dass in Graz mindestens 150 verschiedene Sprachen gesprochen werden.

Diese Vielfalt sollte nicht in erster Linie als Barriere oder Problem gesehen werden, sondern als ein kulturelles wie auch ökonomisches Potential. Basis für die Nutzbarmachung dieses Potentials ist eine fundierte Dokumentation dieser Vielfalt. Daher startet im Herbst 2009 das Projekt “Multilingual Graz” am treffpunkt sprachen der Universität Graz, mit dem Ziel die sprachliche Vielfalt von Graz zu dokumentieren und die Ergebnisse für verschiedene Zielgruppen aufzubereiten. Die bisherigen Ergebnisse und Aktivitäten von "Multilingual Graz" sind auf der Webpage Multilingual Graz dokumentiert.

Vielsprachiges, multikulturelles Graz

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Die Geschichte des Ortes rund um den steilen Felsen am Mur-Fluss, den Grazer Schloßberg, beginnt vor rund 5.000 Jahren; im Zentrum von Graz, am Fuße des Schloßbergs, wurden erst jüngst Spuren einer Ansiedlung aus der Kupfersteinzeit (ca. 3000 v. Chr.) gefunden.

Heute ist Graz die Hauptstadt des Bundeslandes Steiermark und die zweitgrößte Stadt Österreichs, ein wichtiger Wirtschaftsstandort im Südosten des Landes, der an der Pforte zum 50 Mio Menschen zählenden Wirtschaftsraum Südosteuropa liegt. Die Grazer Beschäftigten verfügen über ein hohes Ausbildungsniveau, ein Viertel hat ein Studium abgeschlossen. Graz ist Standort von Wirtschaftsunternehmen von Weltrang und eine sehr sichere Stadt, die ihren 250.000 EinwohnerInnen beste Ausbildungsmöglichkeiten, attraktive Wohnmöglichkeiten, ausgezeichnete medizinische Versorgung und ein dichtes soziales Netz bietet.

Mehrsprachige Wurzeln. Schon der Name der Stadt weist auf ihre mehrsprachigen Wurzeln hin: Er lässt sich auf das slowenische „gradec“ (die kleine Burg) zurückführen; zwischen dem 6. und dem 8. Jahrhundert war die Gegend slawisch besiedelt; ab dem 8. Jahrhundert wurden die Slawen von Baiern und Franken assimiliert und christianisiert.

1128 wird Graz erstmals urkundlich erwähnt. Zweieinhalb Jahrhunderte später, im Jahr 1379, wird Graz Residenz der Habsburger bis 1619. In den folgenden Jahrhunderten prägen italienische Baumeister die Stadt mit ihrer Baukultur, sie errichten die mächtige Renaissancefestung, die im Zuge der Napoleonischen Kriege 1809 zerstört wurde, ohne je erstürmt worden zu sein. Die Grazer Bürger kauften allerdings den Uhrturm sowie den Glockenturm von der Zerstörung frei – sie sind heute die Wahrzeichen der Stadt.

Multikulturelle Tradition. Graz liegt an einem Schnittpunkt der europäischen Kulturen. Hier konnten sich romanische und slawische, auch magyarische und natürlich germanisch-alpine Einflüsse zu einem ganz spezifischen Charakter verbinden. Wer die Grazer Altstadt durchwandert – übrigens eines der größten geschlossenen Ensembles des deutschen Sprachraumes –, der kann diesen Charakter an den Bauwerken der Gotik, der Renaissance, des Barock, des Historismus bis hin zum Jugendstil ablesen. Diese – auch im Kontrast mit der behutsam eingefügten modernen Architektur – einzigartige Altstadt wurde mit Beschluss vom 1. Dezember 1999 von der UNESCO in die Liste der „Weltkulturerbe“ aufgenommen. Die multikulturelle Tradition, die die Stadt seit Jahrhunderten prägte, wird in Graz als Fundament seiner kulturellen und politischen Identität verstanden. Graz ist heute ein Ort der internationalen Begegnung und des interkulturellen und interreligiösen Dialoges; 2001 proklamiert sich die Stadt mit Zustimmung der UNO zur ersten Menschenrechtsstadt Europas, 2003 war Graz Kulturhauptstadt Europas.

Sprachenvielfalt. Graz ist eine Stadt, in der Sprachenvielfalt groß geschrieben wird. Hier hat das European Centre for Modern Languages des Europarates seinen Sitz, dessen Hauptaufgabe die Verbreitung und konkrete Umsetzung des Mehrsprachigkeits-Gedankens in den Mitgliedsstaaten darstellt. In den Straßen der Stadt werden mehr als 100 Sprachen gesprochen, an den Grazer Schulen können regulär an die 15 Sprachen gelernt werden – und 17 Sprachen im muttersprachlichen Unterricht für MigrantInnen an den Pflichtschulen. Am Institut für Translationswissenschaftender Karl-Franzens-Universität sowie an den Instituten für Anglistik und Amerikanistik, Romanistik und Slawistik können 12 Sprachen studiert werden. „treffpunkt sprachen– Zentrum für Sprache, Pluralismus und Fachdidaktik der Universität Graz – legt Wert auf die Verbreitung der Mehrsprachigkeit. Sprachen sind auch einer der Schwerpunkte der zwei Pädagogischen Hochschulen der Stadt, und die Grazer bilinguale Schule (GIBS) verfolgt als eines ihrer Hauptziele das Lehren, Lernen und Kommunizieren in mehreren Sprachen. Aufgabe des ebenfalls in Graz ansässigen Österreichischen Sprachen-Kompetenzzentrums (ÖSZ) ist die Weiterentwicklung des Sprachenlernens und -lehrens.